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Leseprobe aus dem Buch .501 T-Rex


In diesem Kapitel erfährt der Leser, welche Umstände dazu führten, dass Frederic Windham, eine der 
Hauptpersonen des Buchs, sein Studium abbricht und zur Army geht.


FREDERIC WINDHAM

Begonnen, besser geendet hatte alles vor knapp fünf Jahren. Frederic saß in seiner Studentenbude auf dem Campus der University of Nebraska, Omaha (UNO) und las seine Diplomarbeit für den Degree in Master of Public Administration (MPA) zum letzten Mal durch. Am Nachmittag würde er die Arbeit zum Binden bringen und am Donnerstag abgeben. In zwei Wochen begann für ihn das letzte Semester. Nur noch zwei mündliche und eine schriftliche Prüfung in Bibliothekswesen und er würde seinen Abschluss haben. Einen Fehler fand er noch auf der letzten Seite. Dort, wo er unterschreiben musste, hatte er ‚Unterschift‘ geschrieben. Er fuhr seinen 486-er Computer hoch, öffnete die Datei, verbesserte den Fehler und druckte die letzte Seite neu aus. Fertig!

„Das wär‘s!“, sagte er halblaut zu sich selber. Er schaute noch einmal auf das Deckblatt.


University
of Nebraska, Omaha

Studiengang

MPA

Fachrichtung

Bibliothekswesen

Thema

Möglichkeiten der Katalogisierung technischer Schriften nach Stichpunkten, insbesondere von Patentschriften in deutscher und niederländischer Sprache.

Verfasser

Frederic WINDHAM

 

Seine Arbeit schob er in einen großen Umschlag und diese steckte er in seine College-Mappe. Draußen auf dem Flur klingelte das Telefon. Eine Tür öffnete sich und jemand nahm den Hörer ab. Er erkannte die Stimme von Cecilia, die genau gegenüber der kleinen Telefonbox ihr Zimmer hatte.

„Studentenheim St. Mary‘s, Gebäude B, dritter Stock“, meldete sie sich. Einen Moment Stille. „Ja, ich glaube er ist da. Ich hole ihn. Einen Moment bitte.“
Sie klopfte an Frederics Tür.
„Komm rein, Cilly.“
Sie öffnete die Tür nur halb und schob ihren Wuschelkopf in den Raum.
„Telefon für dich, Ric. Ich glaube, es ist die Polizei aus Grant, Perkins County.“

Frederic wusste sofort, es musste etwas geschehen sein. Seine Großeltern wohnten in Grant, und seine Mutter hatte ihm in der Vorwoche geschrieben, dass sie und Vater ihre Eltern besuchen wollten.
„Danke!“ Er rannte zum Telefon und nahm den Hörer auf, der auf dem Regal in der Box lag. „Frederic Windham.“
„Deputy Peter Richly, Perkins County Police“, meldete sich jemand am anderen Ende der Leitung. „Mr. Windham. Heißen Ihre Eltern Lesley und Ann-Caroll Windham?“
„Ja, Sir.“ Frederic merkte, wie ihm der Schweiß ausbrach und seine Hände anfingen zu zittern.
„Sie sollten sofort herkommen“, fuhr der Polizist nach einer kurzen Pause fort. Frederic hörte, wie der Beamte deutlich tief aus- und einatmete.“ Ihre Eltern hatten einen schweren Unfall. Kommen Sie möglichst noch heute!“
„Ja, ich komme.“ Er legte auf, ohne nach weiteren Einzelheiten zu fragen.
Eine Stunde später saß er in seinem alten Ford und war auf dem Weg nach Grant.

Frederic Windham traf nach einer Fahrt im Dauerregen völlig erschöpft im Krankenhaus des kleinen Ortes ein. Die Schwester an der Information schickte ihn zur Unfallstation.
„Gehen Sie links den Gang hinunter bis zu dem kleinen Warteraum. Ich glaube, es sind schon Verwandte von Ihnen da.“

Frederic traf seine weinenden, völlig verstörten Großeltern vor der grünen Pendeltür mit der Aufschrift ‚Emergency Room’. Seine Großmutter umarmte ihn.
„Mein armer Junge“, schluchzte sie. „Mein armer Junge.“
Seine Eltern waren beide vor gut einer Stunde gestorben. Der große LKW hatte dem kleinen Toyota die Vorfahrt genommen und ihn völlig zerstört.

„Wir werden den LKW finden und der Schuldige kommt vor Gericht. Das verspreche ich Ihnen, Mr. Windham“, meinte der Polizist, der kurz nach Frederic erschienen war.
Weder der LKW noch der Fahrer wurden jemals gefunden. Nach einem Jahr schloss die Polizei die Akte.
Die Vollkaskoversicherung überwies nach vierzehn Monaten eintausendsiebenhundertundfünfzig Dollar für den sechs Jahre alten Wagen.
Die Beerdigung erlebte Frederic wie in Trance. Später konnte er sich nur noch an den Gottesdienst erinnern. Er war froh, dass sein Großvater ihm alle Formalitäten abgenommen hatte. Zwei Tage nach der Trauerfeier verabschiedete er sich von seinen Großeltern, um die Angelegenheiten mit der Bank in seinem Heimatort zu regeln. Er sollte sie nie wieder sehen.

Der Bankdirektor hatte angerufen: „Frederic ... Ich darf doch noch Frederic zu dir sagen? Oder?“
„Klar, Mister Shultz! Schließlich kennen Sie mich seit meiner Geburt.“
„Wir müssen ein paar Formalitäten klären. Wie wäre es mit Donnerstag, so gegen zehn Uhr?“

Um Punkt zehn Uhr war Frederic in der Bank. David D. Shultz strahlte über das ganze Gesicht, als er Frederic sah. Dann verdunkelte sich seine Miene.
„Mein herzliches Beileid, Junge. Deine armen Eltern! Hoffentlich erwischen sie den Schuft!“
Er stand auf und schüttelte dem jungen Mann die Hand.
„Setz dich doch!“ Er wies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und öffnete einen Aktenordner.
„Es gibt da ein Problem. Deine Eltern haben die Raten für das Haus nicht mehr gezahlt, als du mit dem Studium angefangen hast. Dann laufen da noch die Kredite für die Möbel und ...“
Er blätterte in dem Aktenordner.
„Auch der Wagen ist noch nicht ganz bezahlt. Offen sind noch die Beerdigungskosten, die fälligen Versicherungen für dich und so weiter.“
Er nahm seine Brille ab und schaute Frederic an. Der war sichtbar blass geworden.
„Was bedeutet das für mich?“, wollte der wissen. „Nun, es sind rund fünfzigtausend Dollar zu zahlen. Und so wertvoll ist euer Haus auch nicht. Dein Dad hätte auf mich hören sollen. Ich hätte das Haus nicht gekauft.“
Frederic war entsetzt. „Was soll ich jetzt machen? Ich besitze nur achthundert Dollar.“ Er fing an zu weinen.

„Ich helfe dir. Ich habe schon einen Käufer für das Haus“, tröstete ihn der Bankdirektor und tätschelte seine Hand. „Mach dir mal keine Sorgen!“

Der Käufer war die Frau des Bankdirektors. Als alles abgerechnet war, alle Schulden, die Versicherungen und das Begräbnis bezahlt, als der Notar sein Geld bekommen hatte, holte die Möbelfirma noch alle Möbel ab.
„Kulanterweise verzichten wir auf den Rest des Geldes“, meinte der Möbelhändler. Schließlich waren bereits achtzig Prozent bezahlt und die Möbel waren noch fast neu.

Zum Schluss bekam Frederic einen Scheck über eintausendzweihundertundachtzig Dollar von einer Bankangestellten.
„Das ist der Überschuss“, meinte sie. „Die besten Grüße von Mr. Shultz. Er ist die nächsten Tage nicht da.“

Frederic verschenkte alles, außer seinen persönlichen Sachen und ein paar Bildern. Er exmatrikulierte sich an der Universität, die er sich nicht mehr leisten konnte.
Einen Tag später verpflichtete er sich für zwölf Jahre bei der Army.

 

 

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